Wenn über Schulentwicklung gesprochen wird, klingt es oft so, als wäre das ein Projekt, das man planen, anpassen und fertigstellen kann. Häufig höre ich von Kolleg:innen: „Ich muss auch noch Schulentwicklung machen!“ – und es klingt so, als würde man einen Tag der offenen Tür planen.
Diese Überzeugung kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit und unter anderem daher, dass die Schulentwicklungsliteratur der 80er und 90er stark von der Organisationsentwicklung und Methoden des Projektmanagement bestimmt waren. Auch ist es oft in der Geschäftsverteilung so, dass Schulentwicklung wie eine von vielen Aufgaben einer Person zugeordnet wird.
Noch heute werden Methoden (z. B. aus dem Agilen Arbeiten) mit Schulentwicklung gleich gesetzt. Doch dies wird der Komplexität von Schulentwicklung nicht gerecht. Ganz vereinfacht gesagt ist es so, als würden wir bei der Unterrichtsplanung die Methoden, das Thema und den Klausurtermin in den Vordergrund stellen, dabei aber die Rolle und Kompetenz der Lehrkraft, die Heterogenität der Lerngruppe und die Relevanz der Inhalte für die Lernenden vergessen. (Dass das oft genauso passiert, soll hier nicht weiter diskutiert werden….) Schulentwicklung ist jedoch kein Projekt, das man abschließt, kein Konzept und leider auch nicht das Leitbild, über das abgestimmt wird. Aber all diese Dinge können ein Teil von SE-Prozessen sein!
Eine Schule ist ein System, eingebunden in einem spezifischen Kontext und belebt von Individuen, die auch jeweils in ihre Kontexte eingebunden sind und dadurch unterschiedliche Bedürfnisse und Herausforderungen mitbringen. Die Systeme die diese Schule umgeben (die Familien, die Einrichtungen im Umfeld, die Infrastruktur, die Schulaufsicht, etc. beeinflussen wiederum das System der Einzelschule.
Eine Dorfschule mit 12 Kolleg:innen und 200 Kindern geht andere Wege, steht vor anderen Anforderungen, als eine Stadtschule mit 2000 Jugendlichen und 180 Lehrpersonen. Eine Schule, die über Platz im Haus und Natur in der Nähe verfügt, hat andere Optionen als eine überfüllte Schule, die zwischen Straßenbahn und Hauptverkehrsstraße liegt.
Was können also Faktoren sein, die entscheiden, wie eine Schule sich den Anforderungen stellt?
- Raumangebot und Lage der Schule,
- Potential der Lernenden und ihrer Eltern,
- Menge und Qualifikation des Personals,
- Herausforderungen und Belastungen aller Beteiligter,
- Funktionalität der Kommunikationsstrukturen,
- das Eingebettetsein in die diensthöheren Strukturen (Schulamt o.ä.),
- Vorgaben durch das Ministerium und nicht zuletzt auch
- das Potential der Leitung und des Leitungsteams.
Das Modell der School Improvement Capacity (siehe Maag-Merki 2016) wird in der aktuellen Schulentwicklungforschung beforscht und genutzt, um die Vielschichtigkeit und die Bedeutung vieler verschiedener Faktoren für die Entwicklung von Schulen darzustellen. Dieses Modell erscheint hilfreich, um die Komplexität der Einzelschule und ihre Eingebundenheit in das größer System verständlich zu machen.
So werden in der School Improvement Capacity, der Schulentwicklungskapazität, drei verschiedene Kapazitäten unterschieden: Die organisatorische, die zwischenmenschliche und die personelle Kapazität. In den nächsten Blogartikeln schauen wir uns die einzelnen Komponenten mal beispielhaft an und überlegen, welche Fragen schulischen Akteuren helfen können, relevante Handlungsfelder und Verantwortliche zu entdecken.
So können wir also in einer Schulentwicklungsberatung Methoden und Wege entdecken, die Kapazität zu identifizieren und gegebenenfalls zu erweitern. Wir können herausfinden, welche Herausforderungen die Schule bewältigen muss und auch welche Projekte, Konzepte und Personen dies jetzt schon erfolgreich tun. Oftmals sind Themen oder Ziele schon gesetzt. Anhand einer ausführlicheren Analyse kann eine Vergewisserung stattfinden oder auch eine Anpassung der Ziele.
Schulentwicklung ist in meinem Verständnis etwas das Lehrkräfte und Schulleitungen unterstützen, beeinflussen und in Teilen auch lenken können. Viele kleine Prozesse fügen sich in ein Gesamtbild und eine Begleitung, zum Beispiel meine Schulentwicklungsberatung, kann helfen, das Gesamtbild aus der Entfernung zu betrachten und mögliche ‚Stellschrauben‘ zu identifizieren.
Zu guter Letzt: Es braucht passende äußere Bedingungen für die Schulen und engagierte und kraftvolle Menschen in ihnen. Daher ist es mir auch ein Anliegen, immer wieder die Verantwortung der Schulverwaltung und der Ministerien zu benennen. Wenn es den politisch Verantwortlichen wirklich ein Anliegen ist, dass unsere Schulen lernförderlich und potentialorientiert gestaltet sind, dass Lehrkräfte ‚ihr Bestes‘ geben und dass jedes Kind, jede:r Jugendliche einen Schulabschluss machen kann, dann müsst ihr dies ermöglichen.
Es braucht vor allem eine offene und zugewandte Haltung den Schulleitungen und den Lehrpersonen gegenüber. Zuhören und ernst nehmen, das wünschen sich doch alle! Dann kann man über Maßnahmen nachdenken und herausfinden, was die Schule an Ressourcen benötigt und überreiche sie schon verfügt. Das wäre ein toller Anfang.
Practice what you preach.
Und finally, wenn du eine starke Schule aufbauen willst, wenn du eine Vision verfolgen möchtest, macht es Sinn wenn du nach deinen Ressourcen schaust und gut auf sie achtest.
Ich unterstütze dich gern. Als Coach und/oder als Schulentwicklungsberaterin für deine Schule.
