Mein jugendliches Ich wäre vielleicht auch gerne Tänzerin oder Therapeutin geworden, doch mein Interesse an Sprache, Wissenschaft und vielseitiger Bewegung hat mich ins Sport- und Englischstudium geführt. Auch die Suche nach finanzieller Sicherheit und, so weiß ich im Nachhinein, weil die Schule eine vertraute Struktur war, haben mich so entscheiden lassen.
Ich durfte feststellen, dass Bewegung und Ausdruck, Gespräche und Zuhören auch in der Schule zu finden und so wichtig sind. Und so war ich fast 20 Jahre lang Lehrerin an zwei inklusiven Gesamtschulen in Frankfurt am Main. Ich habe mich regelmäßig fortgebildet (von LRS im Englischunterricht über Pilates-Trainerin bis ‚Rhythm is it‘ mit Royston Maldoom) – ich bin immer noch vielseitig interessiert, damals war ich vor allem auf der Suche.
Nach 10 Jahren als Klassenlehrerin in der Mittelstufe wechselte ich in die Lehrerausbildung an der Goethe-Universität. Die Begleitung der Studierenden hat mich sehr bereichert. Ich mochte die intensive Auseinandersetzung mit Pädagogik und Schulentwicklung. Gleichzeitig stellte ich fest, dass auch heute noch der Fokus im Lehramtsstudium sehr stark auf die fachliche Ausbildung gerichtet ist. Pädagogische und psychologische Grundlagen rücken, je nach Lehramt, eher in den Hintergrund. Vor allem die großen schulischen Themen Inklusion, Ganztag, Differenzierung, tauchen immer noch eher am Rande auf. Als nächsten Schritt habe ich meinen Weg in die Pädagogische Leitung gefunden und durfte für fast drei Jahre im erweiterten Schulleitungsteam arbeiten.
Als Mitglied der Schulleitung veränderten sich meine Perspektiven auf Schule und Möglichkeiten der Veränderung. Ich habe noch intensiver festgestellt, wie vielseitig und groß die Anforderungen an Lehrkräfte und Schulleitung sind: die veränderte Rolle und die neuen Aufgaben in der inklusiven Beschulung, die Ansprüche der unterschiedlichen Altersgruppen, die ‚hyperdiverse‘ Schülerschaft einer Gesamtschule in der Großstadt…
Ich habe die schulischen Verwaltungsstrukturen neu kennen gelernt vor allem aber habe ich die Arbeit in de unterschiedlichen Teams begleitet und Kolleg:innen und Eltern beraten.
Während der Coronapandemie entstanden hohe Anforderungen an die sonst eher starren schulischen Strukturen und an die Belastbarkeit des schulischen Personals.
Der Raum für die Beratung der Kolleg:innen und der Familien, für die Begleitung Pädagogischer Prozesse wurde zunehmend weniger. Ich konnte keine gesunde Balance zwischen Arbeit und Familie finden, mein Körper hat mir das deutlich gezeigt.
Eine Pause ermöglichte mir Zeit zum Nachdenken.
Mein Wunsch nach mehr Selbstbestimmung, anderen Entwicklungsmöglichkeiten und mein Wissensdrang wurden größer. Und so kam es, dass ich mich entschied, das Schulsystem zu verlassen um andere Wege zu gehen.
Ich möchte Menschen unterstützen, meine Expertise nutzen, um andere zu begleiten, mich weiterentwickeln, Neues lernen.
Schon früh hat mich interessiert, was Menschen eigentlich bewegt. Ich war oft die Zuhörerin und habe, seit ich denken kann, ein großes Interesse an Menschen und ihrer Vielseitigkeit. Eine liebe Schulfreundin schenkte mir mal eine Elefantentasse, weil ich auch so große Zuhör-Ohren habe 🙂
Später habe ich festgestellt, dass ich von Anfang an irgendwie anders auf meine Schüler:innen geschaut habe, als viele meiner Kolleg:innen. Ich stellte schnell fest, dass ich es hinderlich fand, die Emotionen der Schüler:innen und auch ihre familiäre Situation zu ignorieren. Ich kann das Ausüben von Macht kaum ertragen, das Herabsetzen von jüngeren Menschen ist mir stets zuwider gewesen.
Ich erkannte, dass es im System Schule viele ungeklärte und oftmals unbeachtete Konflikte gibt, die mit dem Unterricht, dem fachlichen Lernen im eigentlichen Sinne gar nichts zu tun haben, ein erfolgreiches Lernen aber massiv behindern.
Oft habe ich naiv (so kam es mir vor) gefragt: Was ist denn eigentlich das Problem?
Als ich begann mich in Systemischer Beratung (praxis institut und wildwechsel insitut) weiterzubilden, lernte ich endlich eine Sprache für das kennen, was ich häufig intuitiv gedacht und getan habe. Es hängt eben alles zusammen, wir sind gleichwürdig und es gibt immer einen Guten Grund für das Handeln anderer. Auch die Auseinandersetzung mit Kommunikation und Coaching (npl Practitioner Coach) bereichert meine Sicht auf Beziehungsgestaltung und Kommunikationsprozesse in Schulischen Kontexten.
Ganz aktuell habe ich erfolgreich die Fortbildung bei Verena König in Neurosystemischer Integration® – traumsensiblem Coaching – abgeschlossen. Das Wissen um Trauma bereichert meinen Wissen und meinen Erfahrungsschatz ungemein.
Nach den zahlreichen Fort- und Weiterbildungen und den eigenen Erfahrungen mit Coaching und Beratung habe ich mich oftmals gefragt, weshalb Veränderungsprozesse – entgegen der Aussagen der Coaches – eben nicht ‚einfach‘ sind. Und ‚du musst nur daran glauben‘ hat mich recht schnell skeptisch gemacht. Beim Erforschen und Lesen – mein Interesse an Psychologie ist immer noch da – kam ich zu den Themen Bindungs- und Entwicklungstrauma. Die Bedeutung unserer tiefsitzenden Verhaltensmuster wirklich anzuerkennen und sie anzunehmen, auch wenn es Muster sind, die uns von außen betrachtet nicht ‚gut tun‘. Das Anerkennen von Strategien, die uns früher mal erfolgreich unterstützt haben, anerkennen, dass alles was wir tun und was unser Körper tut, immer FÜR uns ist.
Im Coaching biete ich eine wohlwollende und zugewandte Begegnung mit dir selbst an. All dein Verhalten macht Sinn und es ist für deine Entwicklung bedeutsam, dies zu verstehen, auch wenn es auf den ersten Blick unlogisch erscheint. Auf diesem Weg gelingt es auch in schwierige und herausfordernden Situationen Mitgefühl und Verständnis zu etablieren. Wenn wir eine sichere Verbindung zu uns herstellen können, ist das die beste Grundlage für eine gute Verbundenheit mit anderen. Dann lassen sich auch gemeinsam Lösungen entwickeln.
Schulentwicklung wird häufig als ein Prozess verstanden, der von außen gesteuert werden kann. Es werden oftmals Vergleiche mit Prozessen aus Management und Wirtschaft hergestellt. Diese Perspektive wird in der aktuellen Schulentwicklungsforschung als überholt dargestellt.
Das System einer Einzelschule ebenso wie das Schulsystem in einem Bundesland bzw. im gesamten Land ist anderen Bedingungen ausgesetzt als ein Wirtschafts- oder Verwaltungsunternehmen. Die Dynamiken sind häufig ebenfalls sehr komplex und von den die Einzelschule betreffenden Faktoren geprägt. Ein One-Fits-All Prozess ist hierbei sehr sicher nicht nachhaltig wirksam. Schulentwicklungsprozesse können auf der Ebene der Einzelschule gut begleitet werden. Vor allem der Ansatz des teacher leadership ist hierbei bemerkenswert, dieser Ansatz betont die Bedeutung der Schulleiter:in, die in der Lage ist eine personen- und zukunftsorientierte Personalentwicklung zu betreiben und auf diese Weise Schulleitung und Schulentwicklung partizipativ gestalten zu lassen.Die Begleitung von Schulleitungsteams in Schulentwicklungsprozessen ist ein Anliegen, das ich derzeit in meiner Tätigkeit für die Universität verfolge.
Es liegt mir am Herzen die traumasensible und systemische Sichtweise mit den neuesten Erkenntnissen aus der Schulentwicklungsforschung zu kombinieren. Es bleibt spannend.
